Fortbildungsreihe: Psychotherapie in der Natur

Fortbildungsreihe: Psychotherapie in der Natur
Fortbildungsreihe für TherapeutInnen und BeraterInnen

Schon Friedrich Nietzsche wusste: „Wir sind so gern in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.“ Nicht nur in puncto Akzeptanz und Echtheit stellt die Natur als Erlebensraum eine große Bereicherung für personzentrierte Therapie und Beratung dar. Auch ihr unerschöpfliches Angebot an natürlichen Sinnesreizen, ihr Symbolcharakter, ihre Nicht-Determiniertheit und der immerwährende Zyklus von Werden und Vergehen bergen großes psychotherapeutisches Potential.

In Feld, Wald und Wiese finden wir auf ganz unterschiedliche Weise Raum für das Selbst. Draußen gibt es z.B. keine Erwartungen zu erfüllen, hier muss der Mensch nicht „funktionieren“. So bieten sich zahlreiche Gelegenheiten für authentisches, freies Sein. In der Begegnung mit der „äußeren“ Natur fällt es leichter, auch die eigene „innere“ Natur zu erleben und sich „auszuleben“. Natur ist zugleich Gegenüber, als auch unsere eigene Existenz. Wer als TherapeutIn oder BeraterIn die menschliche Zugehörigkeit zur Natur erfahrbar machen kann, öffnet die Tür für tiefgreifende seelische und gesellschaftliche Wandlungsprozesse.

Carl Rogers hat eindrucksvoll gezeigt, dass Psychotherapie in erster Linie ein Prozess der menschlichen Begegnung ist. Daher bewirkt das Natur- und Selbsterleben draußen v.a. dann eine Veränderung im psychotherapeutischen Sinn, wenn es in eine personzentrierte Therapiebeziehung eingebracht wird. Indem die Outdoor-Erfahrungen der KlientInnen dort gehört, gewürdigt und auf ihre subjektive Bedeutung hin untersucht werden, verbinden sie sich mit positiven Beziehungserfahrungen. Erst dadurch kann sich ihre heilsame und entwicklungsfördernde Wirkung voll entfalten.

In der Fortbildung räumen wir uns deshalb ausreichend Zeit im Seminarraum ein, um das eigene Erleben in der Gruppe mitzuteilen, zu vertiefen und zu verstehen. Hintergrund der Fortbildungsreihe ist der theoretische Bezugsrahmen der Achtsamkeitsbasierten Naturtherapie, ein humanistisches Therapiekonzept, das das psychotherapeutische Potenzial des Naturerlebens mit der Praxis der Achtsamkeit verknüpft und insbesondere die existenziellen Aspekte des Menschseins in den Blick nimmt.

Theorie-Inhalte:

·         Wissenschaftliche Forschungsergebnisse zur psychosomatischen Gesundheitswirkung von Achtsamkeit und Naturerleben

·         Entstehung und aktuelle Verortung naturgestützter Psychotherapien

·         Grundkonzepte und Wirkfaktoren der Achtsamkeitsbasierten Naturtherapie

·         Naturerleben in Beratung und Gesprächspsychotherapie: Indikationen und Settings

Praxis-Inhalte:

·         Selbsterfahrung mit naturtherapeutischen Interventionen und Instrumenten (Schwerpunkt 2019: Achtsamkeit in der Natur und freie Naturerfahrungen)

·         Persönliche Auseinandersetzung mit existenziellen Themen im Kontext Natur (Schwerpunkt 2019: Freiheit und Verantwortung)

·         Praktisches Üben in der TherapeutInnen-Rolle (v.a. im Hinblick auf Besonderheiten des Outdoorsettings)

·         Reflexion der Anwendung in der eigenen beruflichen Praxis

Struktur: In drei Jahresthemen mit jeweils vier Seminarwochenenden widmet sich die Fortbildungsreihe unterschiedlichen Naturzugängen und zeigt praktische Wege auf, wie Psychotherapie und Beratung durch Naturerfahrungen bereichert werden können. Jedes Jahresthema kann einzeln gebucht werden und schließt mit einer Teilnahmebescheinigung ab. Zum Kennenlernen der Arbeitsweise empfiehlt sich das Seminar „Achtsamkeitsbasierte Naturtherapie“ am 28.-31.3.2019.

Jahresthema 2019: Natur als Übungs- und Freiraum

Jahresthema 2020: Natur als Gestaltungs- und Spielraum

Jahresthema 2021: Natur als Übergangs- und Heilraum (Änderungen vorbehalten)

Methodik: Experimentierfreude, Körperlichkeit, Mitgefühl und Akzeptanz durchdringen sowohl die Inhalte, als auch die Methodik und Kultur der Fortbildung. Die Lehrmethoden umfassen u.a. ausführliche Gesprächsrunden, Kurzvorträge, Meditationen, Körper- und Kreativübungen, Einzel-, Partner- und Kleingruppenarbeit. Zwischen den Wochenenden führen die Teilnehmenden die gelernten Achtsamkeitsübungen eigenständig fort. Der Schwerpunkt der Fortbildung liegt auf der therapeutischen Selbsterfahrung, sowohl in der Naturbegegnung (outdoor) als auch im anschließenden Gespräch (indoor).

Zielgruppe: Psychotherapeut/innen, Heilpraktiker/innen für Psychotherapie und Berater/innen, die Elemente der Achtsamkeitsbasierten Naturtherapie in ihre Arbeit einbeziehen und ihre eigene Naturbeziehung vertiefen wollen.

Teilnahme-Voraussetzungen: Berufliche Ausbildung und Tätigkeit in einem psychotherapeutischen oder beraterischen Arbeitsfeld (Nachweis einer Weiterbildung über mind. 145 UStd.). Vorausgesetzt wird eine normale physische und psychische Stabilität sowie Bereitschaft zur persönlichen Weiterentwicklung. Ein telefonisches Vorgespräch mit der Dozentin wird empfohlen.

Bitte mitbringen: Strapazierfähige, bequeme, warme und wasserdichte Kleidung, Sitzunterlage für Waldboden, Zeckenpinzette, Tagesrucksack, Trinkflasche, Schreibzeug, empfehlenswerte Literatur (sofern vorhanden), Armbanduhr!

Termine Jahresthema 2019: 2.5. – 5.5.2019 / 12.-15.7.2019 / 17.-20.10.2019 / 28.11.-1.12.2019

Jeweils Do. 18 Uhr bis So. 16.00 Uhr (insg. 120 Unterrichtseinheiten)

Ort: Seminarhaus „Arche Noah Marienberge“ in 57581 Elkhausen (Westerwald)

Teilnahmegebühr: 1.572,- € / GwG-Mitglieder: 1.452,- € / GwG-Weiterbildungsteilnehmende: 1.292,- €

Übernachtung und Vollverpflegung:  768,- € (insg. für 4 Wochenenden)

Anmeldung: Gesellschaft für personzentrierte Psychotherapie und Beratung (GwG) Jetzt anmelden!