Bis die Psychotherapie beginnt: 10 Tipps, um die Wartezeit zu überbrücken

Bis die Psychotherapie beginnt: 10 Tipps, um die Wartezeit zu überbrücken

Wer unter Depressionen, Angststörungen, psychosomatischen Beschwerden oder Burnout leidet, braucht psychotherapeutische Hilfe. Und das möglichst schnell. Wer dabei jedoch auf die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse hofft, kann lange warten. Durchschnittlich 6 Monate müssen gesetzlich Versicherte heute ausharren, um einen freien Psychotherapie-Platz bei einem kassenzugelassenen Psychotherapeuten zu bekommen. Damit sich in dieser Zeit die Probleme nicht verschlimmern, habe ich 10 Tipps zusammengestellt, um die Wartezeit auf die Psychotherapie zu überbrücken:

1. Akutbehandlung

In einer akuten seelischen Krise finanziert die gesetzliche Krankenkasse 12 bis 24 Psychotherapie-Sitzungen im Rahmen einer sogenannten „Akutbehandlung“. Als Klient sucht man dafür die wöchentliche Sprechstunde einer Psychotherapeutin auf, schildert ihr die Lage und kann gegebenenfalls direkt weitere Psychotherapie-Termine mit ihr vereinbaren. Eine Überweisung, Probesitzungen oder vorherige Genehmigung durch die Krankenkasse ist nicht erforderlich. Im Optimalfall ist im Anschluss ein regulärer Psychotherapie-Platz freigeworden oder der Zustand des Betroffenen hat sich durch die Akutbehandlung so weit stabilisiert, dass er weiterhin warten kann.

2. Krankenhaus

Alternativ kann man sich auch in ein psychiatrisches oder psychosomatisches Krankenhaus aufnehmen lassen. Ebenso wie die ambulante Akutbehandlung verspricht dies schnelle Hilfe, aber keine dauerhafte Linderung oder gar Heilung der psychischen Störung. Beide Lösungen sollen eher einer Verschlimmerung oder Chronifizierung vorbeugen und die Betroffenen einigermaßen stabilisieren bis eine längerfristige Psychotherapie beginnen kann.

3. Heilpraktiker für Psychotherapie

Heilpraktiker für Psychotherapie haben in der Regel keine Wartelisten und können innerhalb weniger Tage einen freien Psychotherapie-Platz anbieten. Daher sind sie gut geeignet, um die Wartezeit auf eine kassenfinanzierte Behandlung zu überbrücken und schon mit einer richtigen Psychotherapie zu beginnen. Manchmal erübrigt sich dadurch auch das Warten, weil dem Klienten innerhalb der 6 Monate schon geholfen werden konnte. Die große Auswahl an unterschiedlichen Psychotherapie-Verfahren bei Heilpraktikern macht es außerdem leichter, die passende Psychotherapie-Richtung für sich zu finden. Die Kosten müssen gesetzlich Versicherte selbst tragen, sind jedoch steuerlich absetzbar.

4. Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung

Da die Kassensitze einer Region limitiert sind, führen viele Psychotherapeutinnen eine Privatpraxis. Im Rahmen des „Kostenerstattungsverfahrens“ können jedoch auch gesetzlich Versicherte dort eine Psychotherapie beginnen und die Rechnungen zur Erstattung bei ihrer Krankenkasse einreichen. Dafür müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein: 1.) Notwendigkeit einer Richtlinien-Psychotherapie muss bescheinigt werden (z.B. vom Psychotherapeuten, Hausärztin oder Psychiaterin) 2.) Therapeut muss approbierter Psychotherapeut sein und ein Richtlinienverfahren anbieten 3.) Klientin kann nachweisen, dass sie 3-7 Absagen (bzw. Wartezeit über 3 Monate) von Psychotherapeuten mit Kassenzulassung erhalten hat. 4.) Psychotherapeut der Wahl bescheinigt, dass zeitnah mit der Behandlung begonnen wer­den kann.

5. Beratungsstellen

Auch Ehe-, Familien-, Sucht- und Frauenberatungsstellen können in der Übergangszeit eine gute Hilfe sein. Oftmals bieten sie sowohl Einzelberatungen, als auch Gruppentherapien, Seminare und Vorträge zu bestimmten Themen an – und das kostenlos oder gegen Spende. Passende Beratungsstellen findet man über das Sozialamt, den Sozialpsychiatrischen Dienst, die Wohlfahrtsverbände oder Kirchengemeinden.

6. Gruppentherapie

Um dem steigenden Bedarf gerecht werden zu können, bieten immer mehr Psychotherapeuten auch Gruppentherapien an. Ob dieses Angebot infrage kommt, findet man am besten im gemeinsamen Gespräch mit dem Psychotherapeuten heraus. Dafür ist die psychotherapeutische Sprechstunde gedacht, die jeder kassenzugelassene Psychotherapeut anbieten muss. Die Sprechstunde ist noch keine Psychotherapie, sondern dient dem gegenseitigen Kennenlernen und der Einschätzung, ob eine Psychotherapie notwendig und welche Form am besten geeignet ist.

7. Ganzheitliche Behandlungsmethoden

Neben psychotherapeutischen Gesprächen können auch alternativmedizinische Heilmethoden eine Wirkung auf die Seele haben. Beispielhaft seien hier genannt: Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Homöopathie, Spagyrik, Bachblüten, Ostheopathie oder Naturheilverfahren. Einige Verfahren werden von Ärzten im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung angeboten, andere (v.a. Behandlungen bei Heilpraktikern) müssen gesetzlich Versicherte selbst bezahlen. Auch diese Gesundheitskosten sind steuerlich absetzbar. Manche psychischen Störungen sind auch körperlich verursacht. Lassen Sie sich gründlich vom Arzt durchchecken!

8. Kurse, Seminare und Retreats

Eine ernsthafte psychische Störung verschwindet natürlich nicht durch ein Wochenend-Seminar. Dennoch können Selbsterfahrungs-Seminare, Entspannungs-Kurse oder ein Achtsamkeitstraining wertvolle Unterstützung während der Wartezeit und eine gute Grundlage für die spätere Psychotherapie bieten. Manche Menschen nehmen sich auch eine Auszeit im Kloster oder nutzen mein Naturtherapie-Retreat, um zu sich selbst zu finden. Da seelische Probleme auch ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und Lebensgeschichte sind, ist es in jedem Fall lohnend, sich selbst besser kennen-, lieben und unterstützen zu lernen.

9. Selbsthilfegruppe

Entgegen landläufiger Vorurteile wird in einer Selbsthilfegruppe nicht gemeinsam gejammert, sondern die Mitglieder unterstützen sich gegenseitig dabei, mit ihren Problemen umzugehen. Sehr hilfreich ist dabei die Erfahrung, dass man mit seinen Schwierigkeiten nicht allein ist und es Menschen gibt, die tatsächlich nachempfinden können, wie man sich fühlt. Eine passende Gruppe findet man über die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS).

10. Gesunde Lebensweise

Die Lebensweise hat einen immensen Einfluss auf das seelische Wohlbefinden. Betroffene können sehr viel für sich tun, indem sie sich eine gesunde Ernährung, erholsamen Schlaf und ausreichend Bewegung gönnen. Dazu genügen schon ein paar Minuten Gymnastik, Tai Chi, Yoga o.ä. am Tag. Ideal sind tägliche achtsame Spaziergänge im Grünen, da sie die wohltuenden Wirkungen von Bewegung, Achtsamkeit und Waldmedizin verbinden. Bei der Ernährung sollte man Kaffee, schwarzen Tee, Alkohol, tierische Produkte, Weißmehl und Zucker möglichst reduzieren und stattdessen mehr Obst, Gemüse, Nüsse und viel Wasser zu sich nehmen. Eine Blutuntersuchung deckt eventuelle Nährstoffmängel auf, die ggf. mit Nahrungsergänzungsmitteln oder einer speziellen Diät ausgeglichen werden können.

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Bildquelle: freestockgallery.de